Donnerstag , 21. Oktober 2021
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Bauen im Winter: Das müssen Bauherren für die Winterbaustelle beachten

Die Fertigstellung eines Hauses kann nicht immer vor dem Winter realisiert werden. Hat der Bau erst im Herbst begonnen oder ist der Baufortschritt ins Stocken geraten, geht der Hausbau im Winter weiter. Allerdings erschweren die Witterungsverhältnisse die Lage und es drohen Feuchte, Schimmel oder Frostschäden. Damit es gar nicht erst soweit kommt, sollten Bauherren Vorsorge treffen und einige Dinge beachten.

Frostschäden und Schimmelbildung im Winter vermeiden

Dass Baustellen über den Winter geschlossen werden, ist heute nicht mehr üblich. Bauherren wollen möglichst schnell in ihr Haus einziehen und Schlüsselfertiganbieter sind an Zeitpläne gebunden, die es zu erfüllen gilt. Doch der Hausbau im Winter birgt aufgrund der Witterungsverhältnisse zahlreiche Risiken, insbesondere durch Feuchtigkeit und Nässe. Zusätzliche Schutzmaßnahmen sind notwendig, damit es nicht zu Frostschäden oder Schimmelbildung kommt. Bauherren sind gut damit beraten, wenn sie sich nicht allein auf die Verantwortlichkeit und Gewissenhaftigkeit der Baufirmen verlassen, sondern selbst den Bau ihres Eigenheims im Blick behalten.

Bauvertrag prüfen und Versicherungen abschließen

Bild von kalhh auf Pixabay

Dass die Winterbaustelle im Winter witterungsfest gemacht wird, liegt eigentlich im Verantwortungsbereich der Baufirma. Das ist nicht nur in der DIN 18299 so vorgeschrieben, sondern sollte auch im entsprechenden Bauvertrag geregelt werden. Bauherren sollten den Vertrag deshalb vorab genau lesen und sicherstellen, dass die Baufirma im Winter entsprechende Maßnahmen übernimmt, wie etwa Heizen oder Lüften. Zu klären ist darüber hinaus, wer die Kosten dieser Zusatzmaßnahmen trägt. Denkbar ist ebenfalls, dass Bauherren ihre eigenen Versicherungen überprüfen, welche Schäden gegebenenfalls mitversichert sind.

Zusätzlich haben sie die Möglichkeit, eine Bauherrenhaftpflichtversicherung abzuschließen, da der Bauherr für die Baustelle haftet und beim Hausbau nicht nur witterungsbedingte Schäden, sondern auch andere Gefahren drohen. Ein Gerüst kann beispielsweise in das Nachbargrundstück stürzen oder der Bau durch Unwetter beschädigt werden. Ratsam ist es, eine solche Versicherung bereits vor dem Baubeginn abzuschließen. Sie gilt bis zur Abnahme des fertigen Hauses.

Baustelle winterfest machen mit diesen Tipps

Eindringendes Wasser, Feuchtigkeit und Schimmelbildung verursachen die häufigsten Hausschäden im Winter. Doch nicht immer ist der Winterschutz durch die Baufirma sichergestellt. Mit konkreten Maßnahmen können Bauherren ihre Baustelle winterfest machen und derartige Schäden vermeiden.
Voraussetzung ist jedoch, dass die Baugrube im unteren Bereich verfüllt ist, um frostfrei zu bleiben. Darüber hinaus kann der Bauherr selbst dafür sorgen, dass Hausöffnungen möglichst geschlossen werden, vom Dach bis zum Keller. Ist das Dach noch nicht eingedeckt, kann es mit einem Notdach abgedeckt werden. Die Baufirma kann das noch vor dem Dezember übernehmen und in ihrem Angebot mit einkalkulieren. Dazu gehört auch, dass die Schornsteinöffnung mit abgedeckt wird, vorausgesetzt der Kamin ist noch nicht in Betrieb.

Offene Fensterlöcher, die noch nicht verglast sind, können mit Folie abgeklebt werden. Mauerkronen, also die oberen Abschlüsse von Mauern, sollten mit reiß- und wetterfester Folie bespannt werden. Andernfalls gelangt Wasser in den Stein, das sich beim Gefrieren ausdehnt und so den Stein zerstört. Ebenso ist darauf zu achten, dass Wasser über die Entwässerung möglichst weit weg vom Haus und keinesfalls ins Erdreich fließen kann. Das ist sichergestellt, wenn einfache Kunststoffrohre an das untere Ende der Fallrohre montiert werden.
Wasser kann allerdings nicht nur von oben, sondern auch von unten in den Rohbau gelangen. Um Schimmelbildung im Keller vorzubeugen, sind die Kellerfenster und Anschlussöffnungen in den Wänden zu schließen. Bei Tauwetter besteht außerdem die Gefahr, dass Wasser durch Türen und über Kellertreppen ins Haus gelangt. Um das zu vermeiden, können Bauherren Schneeverwehungen an Türen, Kellertreppen und Hauswänden wegschaufeln.
Auch die Lagerung der Materialien, wie Mauersteine, Holz, Zementsäcke, Dämmstoffe oder Holz, sollten Bauherren im Blick behalten und sie gegebenenfalls vor der Witterung schützen.

Drohende Schäden bei Innenarbeiten im Haus

Wenn das im Bau befindliche Haus bereits weitgehend verschlossen ist, Dach, Türen und Fenster eingesetzt sind, sollte auch bei den Innenarbeiten darauf geachtet werden, dass keine Feuchtigkeit im Haus bleibt. So droht beispielsweise Schimmelbildung am noch ungedämmten Dach, wenn in den unteren Räumen verputzt wird und die Dachluke offen ist. Die warme und feuchte Luft steigt nach oben und schlägt sich an den kühleren Dachbalken nieder. Deshalb ist es wichtig, nicht nur Dach und Schornstein abzudecken, sondern auch die Öffnung für die Bodeneinschubtreppe.

Im Innenbereich ist weiterhin darauf zu achten, dass keine Frostschäden und Leckagen an bereits installierten Wasser- und Heizungsrohren entstehen. Sind diese noch nicht in Betrieb, sollten sie vor dem Winter und drohenden Minusgraden entleert werden.
Des Weiteren gelangt durch bestimmte Arbeiten im Innenbereich viel Feuchtigkeit ins Haus, etwa durch das bereits erwähnte Verputzen oder das Aufbringen des Estrichs. Es ist unerlässlich, dass der Rohbau in diesem Fall mithilfe von Bautrockner und Entfeuchter trocken gehalten wird. Bauherren sollten das mit der Baufirma klären und gegebenenfalls selbst tätig werden, um Schimmelbildung zu vermeiden.

Baustelle überwachen und Bautagebuch führen

Gerade im Winter sind nicht jeden Tag Handwerker auf der Baustelle zugange. Bauherren tun deshalb gut daran, einen Bauzaun mit Kette und Schloss aufzustellen und die Baustelle regelmäßig selbst aufzusuchen. So können sie gegebenenfalls drohenden Schäden vorbeugen.

Es ist außerdem empfehlenswert, ein Bautagebuch zu führen und in ihm Außenluft- und Raumlufttemperaturen sowie relative Luftfeuchte im Haus festzuhalten. So haben Bauherren ein Instrument in der Hand, um mögliches unsachgemäßes Arbeiten der Baufirma aufzudecken. Das betrifft nicht nur mangelndes Heizen und Lüften, sondern auch die unsachgemäße Verarbeitung von Materialien und Baustoffen. Da diese bei niedrigen Temperaturen nicht mehr uneingeschränkt verarbeitet werden können, müssen die Herstellerangaben genau eingehalten werden. So spielen etwa Mindesttemperaturen eine Rolle, Holzfeuchte und relative Luftfeuchte. Unterstützung können sich Bauherren durch einen Sachverständigen holen, der die Baustelle regelmäßig kontrolliert.

Fazit: Der Hausbau ist aufgrund des nasskalten Wetters mit einigen Herausforderungen verbunden, die Bauherren mit etwas Geschick und Engagement meistern können. Damit es am Ende keine bösen Überraschungen gibt, ist es in jedem Fall ratsam, die Schutzmaßnahmen für den Winter im Vorfeld mit der Baufirma abzusprechen und im Bauvertrag festzuhalten. Andernfalls ist es Bauherren geboten, das Ruder in die eigene Hand zu nehmen, drohende Gefahren im Blick zu behalten und ihre Baustelle gegebenenfalls selbst winterfest zu machen. Schließlich haften sie für alles, was auf der Baustelle passiert.

Autor: Christian Schaar/S2 GmbH
Quelle: reputativ GmbH

Veröffentlicht von:

Alexandra Rüsche
Alexandra Rüsche
Alexandra Rüsche gehört seit 2009 der Redaktion Bauen-Wohnen-Aktuell.de an. Sie schreibt als Journalistin über Hausbau, Inneneinrichtung, Energiesparen, Gartengestaltung, Pflanzen und Haustiere, sowie Innovationen. Alexandra ist Mitglied im DPV (Deutscher Presse Verband - Verband für Journalisten e.V.). Sie ist über die Mailadresse der Redaktion erreichbar: [email protected]

2 comments

  1. Tyler Padleton

    Vielen Dank für den Beitrag über Winterbaustellen. Mein Bruder möchte ein Haus bauen lassen und will sich noch darüber informieren, worauf er im Winter achten muss. Er wird den Bauvertrag nochmal prüfen lassen, damit Schutzmaßnahmen darin festgehalten werden. Guter Hinweis, ein Bautagebuch zu führen.

  2. Daniel Gregor

    Wir möchten in zwei Jahren ein Haus bauen lassen. Es war echt nützlich hier zu lesen, dass man bei dem Bauvertrag darauf achten sollte, dass die Winterbaustelle der Baufirma witterungsfest gemacht wird. Ich werde einen Notar einschalten, der meinen Bauvertrag gründlich überprüfen kann.

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