Bauen

Auf die Zukunft bauen: Vom klimaneutralen zum klimapositiven Gebäude

Bau und Betrieb von Gebäuden verbrauchen nicht nur jede Menge Rohstoffe und Energie, sondern verursachen ebenfalls CO2-Emissionen. In Deutschland ist allein der Gebäudesektor für 30 Prozent des Kohlendioxid-Ausstoßes verantwortlich – weltweit sind es sogar 38 Prozent. Im Zuge von Klimaschutz und Nachhaltigkeit rückt nicht länger mehr nur klimaneutrales Bauen in den Fokus. Klimapositive Gebäude leisten sogar einen positiven Beitrag zum Klima- und Umweltschutz, insofern sie mehr CO2-Emissionen einsparen, als sie verursachen.

Was ist klimaneutrales Bauen?

Klimaneutrales Bauen ist das Gebot der Stunde. Ziel ist es, dass ein Gebäude in seinem gesamten Lebenszyklus, von der Planung über den Bau bis hin zum Betrieb, keine Treibhausgasemissionen verursacht. Dazu müssen die Emissionen in all diesen Bereichen minimiert werden, das betrifft insbesondere die Herstellung von Baumaterialien, die Energieversorgung und Bewirtschaftung der Immobilie. Zwar ist der Verbrauch von Energie, die für das Heizen und Kühlen von Neubauten notwendig ist, in den vergangenen Jahrzehnten reduziert worden. Aber allein der Bau eines solchen Gebäudes verursacht 50 Prozent der CO2-Emissionen und Energie, die es in seiner Gesamtlebensdauer von 50 Jahren benötigt. Um die CO2-Bilanz von Gebäuden zu reduzieren, kommt es in erster Linie auf den Einsatz nachhaltiger, erneuerbarer oder wiederverwendbarer Baumaterialien an, die Verringerung der Transportwege sowie die Nutzung innovativer Technologien und Energieeffizienz. Nicht zuletzt ist ebenfalls die Recyclingfähigkeit verwendeter Baumaterialien und umweltfreundliche Entsorgung von Bauschutt bei der Modernisierung, dem Rückbau oder Abriss in der Umweltbilanz mit einzukalkulieren. Klimaneutrales Bauen ist eine komplexe Aufgabe, die die Zusammenarbeit aller Beteiligten erfordert, darunter Architekten, Ingenieure, Bauunternehmen, Bauherren und Nutzer.


Klimapositives Bauen geht einen Schritt weiter

Vor dem Hintergrund des Klimawandels und der Endlichkeit fossiler Rohstoffe wächst der Anspruch, nicht mehr nur klimaneutral, sondern klimapositiv zu bauen. Der Definition der Deutschen Gesellschaft für nachhaltiges Bauen (DGNB) zufolge sind Gebäude klimapositiv, wenn sie in der Jahresbilanz mehr CO2 kompensieren, als sie verursachen, und mehr Energie erzeugen, als sie selbst verbrauchen. Überschüssigen Strom können sie so in das lokale Stromnetz oder einen Stromspeicher einspeisen. Beim Bau eines klimapositiven Eigenheims gehen intelligente Planung, die Energieversorgung aus erneuerbaren Quellen und der sinnvolle Einsatz der Gebäudetechnik Hand in Hand, um nicht nur eine neutrale, sondern eine negative CO2- und Energiebilanz zu erreichen. Bei der Planung und Ausführung gilt es daher verschiedene Faktoren zu berücksichtigen. Dazu gehören die Verwendung nachhaltiger Baumaterialien und Dämmstoffe, Energieeffizienz und die Integration von Kohlestoffsenkern in das Gebäude. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, klimapositiv zu bauen. Ein Passivhaus ist beispielsweise so gut gedämmt, dass es ohne aktive Heiz- oder Kühlsysteme auskommt. Plusenergiehäuser hingegen erzeugen im Vergleich zu Nullenergiehäusern mehr Energie, als sie selbst verbrauchen.

Energiegewinnung und Energieeffizienz

Klimapositive Gebäude nutzen erneuerbare Energien, um ihren Energiebedarf zu decken. Dazu gehören Solarenergie, Windenergie oder Geothermie. So ist es zum Beispiel möglich, eine reversible Wärmepumpe mit einer Photovoltaikanlage zu kombinieren, um mit einem System die Wohnräume im Winter zu heizen und im Sommer zu kühlen. Mit den neuen Regelungen des Gebäude-Energie-Gesetzes (GEG) wird der Austausch alter Heizungen, die Energie mittels fossiler Rohstoffe wie Öl oder Gas erzeugen, weiter vorangetrieben. Ab Januar 2024 sollen Neubauten nur noch Heizungen installiert werden, die zu 65 Prozent mit regenerativen Energien betrieben werden. Um Energieeffizienz in Gebäuden zu gewährleisten, spielt neben der Energiegewinnung aus erneuerbaren Quellen die Vermeidung von Wärmeverlusten eine Schlüsselrolle. Eine gute Wärmedämmung von Dach, Wänden und Fußboden sowie doppelt oder dreifach verglaste Fenster sorgen dafür, dass weniger Energie zum Heizen und Kühlen benötigt wird. Für die Wärmeisolierung bieten sich zudem natürliche Dämmstoffe an, wie zum Beispiel Wolle oder Hanf, die aus nachwachsenden Rohstoffen stammen, emissionsarm produziert werden können und biologisch abbaubar sind. Beide haben jedoch nicht nur gute wärmedämmende Eigenschaften, sondern sind ebenfalls feuchtigkeitsregulierend.

Nachhaltige Baumaterialien und Kohlenstoffsenker

Beim klimapositiven Bauen kommen in allen Bereichen möglichst nachhaltige Baustoffe zum Einsatz, die wenig Energie bei der Herstellung und im Betrieb verbrauchen. Dazu gehören beispielsweise Holz, Lehm oder Stroh. Insbesondere Holz ist vielseitig einsetzbar, seit jeher ein wichtiger Baustoff und wichtiger denn je für die Zukunft. Es eignet sich als Wärmedämmstoff und Tragkonstruktion, für Decken, Wände, Fassade und Innenausbau. Holzhäuser haben eine vergleichsweise kurze Bauzeit, was zusätzlich Energie und Kosten spart. In Innenräumen verbessert der Baustoff das Raumklima, indem er Feuchtigkeit aus der Luft aufnehmen und wieder abgeben kann. Bei der Herstellung von Holz werden nur geringe Mengen an Energie und Ressourcen benötigt. Um Raubbau zu vermeiden, ist jedoch auf die zertifizierte Herkunft, am besten aus der Region, zu achten. Auch Lehm ist ein natürliches Baumaterial, das bei der Herstellung nur wenig Energie benötigt, und damit eine gute Alternative zu Beton und Zement darstellt.

Neben der Verwendung von nachhaltigen Baustoffen ist schließlich die Integration von Kohlenstoffsenkern ein relevanter Bestandteil von klimapositiven Gebäuden. Mit einer Dach- oder Fassadenbegrünung lässt sich nicht nur CO2 reduzieren, sondern die Gebäudehülle auf natürliche Weise isolieren, was wiederum der Energieeffizienz zugutekommt, da weniger geheizt bzw. gekühlt werden muss.

Der Bau und Betrieb von Gebäuden ist eine bedeutende Quelle von CO2-Emissionen. Während klimaneutrales Bauen darauf abzielt, die Treibhausgasemissionen über den gesamten Lebenszyklus eines Gebäudes zu neutralisieren, geht klimapositives Bauen einen Schritt weiter, indem es eine negative CO2- und Energiebilanz anstrebt. Beide Ansätze emittieren weniger Kohlendioxid, senken den Energieverbrauch sowie dadurch entstehende Kosten und verbessern schließlich die Wohnqualität. Auf diese Weise sind klimaneutrale und klimapositive Gebäude entscheidend für die Reduzierung der Umweltbelastung und den Schutz des Klimas.

Autor: Christian Schaar

Veröffentlicht von:

Alexandra Rüsche
Alexandra Rüsche
Alexandra Rüsche gehört seit 2009 der Redaktion Bauen-Wohnen-Aktuell.de an. Sie schreibt als Journalistin über Hausbau, Inneneinrichtung, Energiesparen, Gartengestaltung, Pflanzen und Haustiere, sowie Innovationen. Alexandra ist Mitglied im DPV (Deutscher Presse Verband - Verband für Journalisten e.V.). Sie ist über die Mailadresse der Redaktion erreichbar: redaktion@bauen-wohnen-aktuell.de

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Alexandra Rüsche gehört seit 2009 der Redaktion Bauen-Wohnen-Aktuell.de an. Sie schreibt als Journalistin über Hausbau, Inneneinrichtung, Energiesparen, Gartengestaltung, Pflanzen und Haustiere, sowie Innovationen. Alexandra ist Mitglied im DPV (Deutscher Presse Verband - Verband für Journalisten e.V.). Sie ist über die Mailadresse der Redaktion erreichbar: redaktion@bauen-wohnen-aktuell.de

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