Sonntag , 23. Juni 2019
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Vogelfreundliche Gestaltung von Glas an und um Gebäude

Die meisten Denken, es ist nur ein Einzelfall, doch Kollisionen von Vögeln mit Glas an Gebäuden, der sogenannte „Vogelschlag an Glas“, ist eines der größten Problematiken des Vogelschutzes unserer Zeit. Dabei ist dieser einfach zu verhindern!

Es gibt einen lauten Knall, manchmal liegt der Vogel dann tot vor der Scheibe, oft fliegt er aber – meist verletzt – weg und stirbt später an seinen Verletzungen oder wird einfach durch Beutegreifer, wie Katzen oder Marder, gefangen. Mindestens 18 Millionen Mal passiert dies jährlich in Deutschland und nicht nur große Glasfassaden sind dabei ein Problem. Auch kleine Glasflächen sind für Vögel unsichtbar, denn sie sind entweder transparent oder spiegelnd, sodass sie nicht als Hindernis wahrgenommen werden. Im privaten Bereich sind als Gefahren besonders Eckverglasungen, Durchsichten durch das Haus („Tunneleffekt“) und Wintergärten zu nennen. Aber auch einfache Fenster können aufgrund der Spiegelung einer grünen, naturnahen Umgebung oder des Himmels eine für den Vogel reale Umgebung vortäuschen.

Viele nutzen als vermeintliche Lösung die bekannten, schwarzen Vogelsilhouetten, doch diese wirken leider nicht abschreckend auf Vögel und stellen nur ein punktuelles Hindernis dar. Genauso sind UV-Markierungen, wie zum Beispiel durch spezielle UV-Stifte, leider nicht ausreichend wirksam. Unter anderem, da viele Vögel kein UV-Licht wahrnehmen können.

Vogelsilhouetten an Glasscheiben sind nicht wirksam gegen Vogelschlag. Foto: Niko Eppner

Wirklich hilfreich sind nur großflächige Hindernisse in Form von Markierungen oder zum Beispiel „Kordelvorhängen“ von außen (um die Spiegelungen zu überdecken). Dabei kommt es auf ein paar Kriterien an, in deren Rahmen man kreativ werden kann: Das wichtigste ist die sogenannte Handflächenregel. Diese besagt, dass zwischen Markierungselementen höchstens 10 cm Abstand sein dürfen. Bei einem Kordelvorhang, den man sowohl kaufen, als auch selber basteln kann, bedeutet dies, dass die einzelnen Kordeln höchsten 10 cm weit voneinander entfernt sein dürfen. Die Kordeln selbst sollten eine Dicke von mindestens 5 mm haben. Außerdem sollten am besten die Farben Schwarz, Weiß, Rot oder Orange genutzt werden. Blau und Grün hingegen sind nicht gut wirksam. Gerne kann man auch mit wasserfesten Glasfarben oder WindowColor selber Muster auf das Glas zeichnen, natürlich auch von außen. Außerdem sind dunkle Fliegengitter wirksam, wenn sie großflächig vor der Scheibe angebracht werden. Die gleichen Abstände gelten auch bei der Nutzung von Jalousien (die immer unten sein müssen) und ähnlichen Fassadenverkleidungen wie einer Brise soleil.

Wer es etwas professioneller möchte kann zum Nachrüsten auf Klebefolien für den Außenbereich zurückgreifen. Diese können von Herstellern für Werbefolien leicht produziert werden. Auch beim Bauen lassen sich vogelfreundliche Muster bereits auf das Glas aufdrucken oder einätzen, was auf Dauer günstiger ist, da Klebefolien eventuell nach guten 10 Jahren nicht mehr haltbar sind.

Dabei kann man wie erwähnt, kreativ selbst Muster designen oder aber man greift auf bereits in Flugtunneln der Wiener Umweltanwaltschaft getestete Muster zurück. Die in der österreichischen Norm ONR 191040 als hochwirksam definierten Muster (meist aus Streifen oder Punkten) sind ein sicherer Schutz gegen Vogelschlag.

 Hochwirksame definierten Muster sind ein sicherer Schutz gegen Vogelschlag.
Ein „hochwirksames“ Muster gegen Vogelschlag. Dadurch konnten in der grünen Gartenumgebung die Vogelschläge verhindert werden. Foto: Archiv Schweizerische Vogelwarte

Alles zum Thema und weitere Beispiele finden Sie unter www.vogelsicherheit-an-glas.de. Interessierte können dort auch die aktuelle Broschüre des BUND NRW kostenlos herunterladen und bestellen. Darin sind alle wichtigen Informationen zusammengefasst. Außerdem bietet der BUND NRW, gefördert durch Stiftung Umwelt und Entwicklung NRW, im Rahmen seines Projektes „Vermeidung von Vogelschlag an Glas“ individuelle Beratung für Bauherren, Architekten und weitere Betroffene und Interessierte an.

Autor: Judith Förster

Veröffentlicht von:

Alexandra Rüsche
Alexandra Rüsche
Alexandra Rüsche gehört seit 2009 der Redaktion Bauen-Wohnen-Aktuell.de an. Sie schreibt als Journalistin über Hausbau, Inneneinrichtung, Energiesparen, Gartengestaltung, Pflanzen und Haustiere, sowie Innovationen. Alexandra ist Mitglied im DPV (Deutscher Presse Verband - Verband für Journalisten e.V.). Sie ist über die Mailadresse der Redaktion erreichbar: redaktion@bauen-wohnen-aktuell.de

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