Neubaugebiete und modernisierte Wohnquartiere versprechen ein attraktives Wohnumfeld und eine durchdachte Infrastruktur. Bei der Planung von Quartiersprojekten geht es nicht allein darum, neuen Wohnraum zu schaffen. Im Fokus steht vielmehr oft die Entwicklung nachhaltiger Lebensräume.
Moderne Quartiersentwicklung: Vorbild Freiburg-Vauban
Wie zeitgemäße, zukunftsfähige Quartiersentwicklung aussehen kann, zeigt sich am Beispiel des Stadtviertels Vauban in Freiburg im Breisgau. Entstanden ist das Quartier auf einem ehemaligen Kasernengelände.
Die Stadt kaufte die ungenutzten Flächen im Jahr 1992 und startete umgehend mit der Bürgerbeteiligung, um auf dem Areal ein neues Wohnquartier zu schaffen. Die ersten Bewohner konnten 1998 das neu entstandene Viertel beziehen. Bis heute gilt das Projekt auch auf internationaler Ebene als Vorbild für ökologisches und soziales Bauen.
Leben im verkehrsberuhigten Umfeld
Der Stadtteil Vauban zeichnet sich unter anderem durch seine markante Architektur aus, ist aber ebenfalls bekannt für sein fortschrittliches Verkehrskonzept. Vauban ist nicht komplett autofrei, im öffentlichen Raum konnte die Zahl der Autos jedoch deutlich reduziert werden: Autobesitzer parken in Quartiersgaragen am Rand der Siedlung.
Dadurch wird der ruhende Verkehr ausgelagert und die Straßen sind als sichere Begegnungszone nutzbar.
Verkehrskonzepte als wichtige Grundlage für zukunftsfähige Quartiere
Innovative Lösungsansätze für nachhaltige Mobilität sind heute eine wesentliche Voraussetzung für die Planung und Entwicklung von Neubaugebieten. Mit wohnbezogenen Mobilitätskonzepten sollen Alternativen zum motorisierten Individualverkehr gefördert und Baukosten reduziert werden.
Zu den Zielen gehören vielfältigere Mobilitätsangebote, geringere Wohnkosten und mehr Flächengerechtigkeit. In der Summe helfen die Konzepte dabei, die Wohnqualität in Neubaugebieten zu erhöhen. Voraussetzungen und Umsetzungsmöglichkeiten müssen sich trotz aller Vorgaben und Richtwerte jedoch immer an den Gegebenheiten vor Ort orientieren.
Beispiele für mehr Wohnqualität durch innovative Verkehrskonzepte
Beim Projekt „Stellwerk 60“ in Köln-Nippes wurde der motorisierte Individualverkehr ähnlich wie in Vauban aus dem Zentrum des Quartiers ausgelagert. Eine Sammelgarage und Carsharing-Stationen wurden am Rand des Viertels eingerichtet, um das Verkehrsaufkommen im Umfeld der Wohneinheiten zu reduzieren. Auf diese Weise wurden Flächen für anderweitige Nutzungen (etwa als Freiflächen und Spielräume) verfügbar.
Auch in Österreich finden sich Projekte mit ähnlichen Entwicklungsansätzen. Die Seestadt Aspern in Wien ist ein weiteres prominentes Beispiel für hohe Wohnqualität, die auf umweltfreundlichen Mobilitätsangeboten gründet. Der Fokus liegt auf Fuß- und Radverkehr sowie ÖPNV, um eine bedarfsgerechte, reduzierte Autonutzung zu erreichen.
Die Mischung macht’s: Gemischte Quartiere als Standortvorteil
Verkehrsanbindungen und Mobilitätsangebote sind nicht allein ausschlaggebend, ob Menschen auf Wohnungssuche ein Stadtviertel als attraktiv wahrnehmen. Bei den Erwartungen an ein ansprechendes Wohnumfeld kommen sehr verschiedene Faktoren zum Tragen.
Harte und weiche Standortfaktoren für Neubaugebiete
Zu unterscheiden sind harte und weiche Standortfaktoren, an denen sich Wohnungssuchende orientieren. Lage und Infrastruktur sind hierunter zu zählen, weshalb Mobilitätskonzepte zu den Planungsgrundlagen neuer Quartiere gehören.
Wichtiger sind jedoch Größe und Preise der verfügbaren Wohneinheiten, sie bleiben nach wie vor das primäre Ausschlusskriterium. Ebenfalls wichtig sind die rechtlichen Rahmenbedingungen und die infrastrukturelle Ausstattung, etwa die Verfügbarkeit eines schnellen, stabilen Internetzugangs.
Die Wohnqualität lässt sich aber auch an „weichen“ Faktoren festmachen, die zwar nicht messbar, aber dennoch oft entscheidend sind. Das Miteinander innerhalb der Nachbarschaft, Grünanlagen und Spielplätze sind wichtige Aspekte, die die empfundene Lebensqualität stark beeinflussen.
| Harte Faktoren | Weiche Faktoren | |
| Typische Beispiele |
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| Bedeutung | grundlegende, messbare Kriterien | Kann-Kriterien, die aber für die Attraktivität des Wohnumfelds sehr wichtig sind |
Soziale Mischung als Grundlage für lebendige Quartiere
Die soziale Mischung ist einer der Aspekte, der für ein attraktives, lebendiges Wohnumfeld sorgt, wie eine Studie des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung festgestellt hat. Die Voraussetzungen hierfür müssen jedoch schon auf der baulichen Ebene geschaffen werden. Es braucht vielfältige Wohnformen, die sich für Menschen in unterschiedlichen Lebenssituationen eignen: für Singles, Familien mit Kindern, ältere Menschen.
Gleichzeitig entscheidet auch die Gestaltung des Wohnumfelds darüber, wie sich Menschen im Alltag begegnen und welche Kontakte sie knüpfen können. Gemeinschaftlich nutzbare Räume gehören ebenso dazu wie Freiflächen für Aufenthalt, Spiel und Bewegung. Je vielfältiger das Angebot, desto besser sind die Aussichten auf ein harmonisches Miteinander in einem sozial durchmischten Viertel.
Nebeneinander von Wohnen, Nahversorgung und Gewerbe
Gemischt genutzte Quartiere bieten zudem den Vorteil, dass sich ihre Funktion nicht allein auf das Wohnen beschränkt. Der Zugang zu Nahversorgungsangeboten wie Supermärkten, Ärzten, Kitas, Schulen und ähnlichen Einrichtungen sorgt für mehr Wohnqualität.
Wenn wichtige Einrichtungen des alltäglichen Lebens für die Bewohner auf möglichst kurzen Wegen erreichbar sind, hat das einen weiteren positiven Begleiteffekt: Das Verkehrsaufkommen lässt sich reduzieren, der Gang zum Einkauf wird wesentlich entspannter und sicherer.
Ähnliche Auswirkungen hat die Ansiedlung von Gewerbe in durchmischten Quartieren. Denn dadurch entstehen im Idealfall Arbeitsplätze im Wohnumfeld. Die Verbindung von Wohnen, Arbeiten und Nahversorgung trägt daher erheblich zur Attraktivität eines Neubaugebiets bei.
Nachhaltigkeit als Chance für eine abwechslungsreiche Quartiersgestaltung
Viele groß angelegte Stadtentwicklungsprojekte für Neubaugebiete zeigen, wie eng die Verbindung von Nachhaltigkeitsanforderungen und Wohnqualität ist. Das gilt sowohl für den Gebäudebestand als auch für die Gestaltung des Wohnumfelds.
Wie die Beispiele aus Freiburg, Wien und anderen Städten zeigen, sind Grün- und Wasserflächen ein wesentlicher Bestandteil von Neubaugebieten. Sie sorgen für eine abwechslungsreiche Umgebung, machen die Quartiere widerstandsfähiger gegen klimatische Veränderungen und schaffen insgesamt einen attraktiveren Lebensraum.
Attraktive Wohnquartiere haben viele Facetten
Ob ein Wohnumfeld lebenswert ist oder nicht, lässt sich nicht an einem einzelnen Gesichtspunkt festmachen. Die konzeptionelle Entwicklung eines ganzen Quartiers muss deshalb immer verschiedene Aspekte miteinander verbinden.
Vielfältige Wohntypologien, durchdachte Mobilitätskonzepte und Mixed-Use-Ansätze greifen in ihrer Wirkung ineinander und haben zudem das Potenzial, sich gegenseitig zu verstärken. Die Umsetzung wiederum muss auf die lokalen Gegebenheiten und Anforderungen zugeschnitten sein, um im jeweiligen städtebaulichen Kontext ein attraktives Lebensumfeld für die Menschen zu schaffen.
Veröffentlicht von:

- Sven Oliver Rüsche ist Gründer von Bauen-Wohnen-Aktuell.de und schreibt über die Baubranche, Baumessen, Erneuerbare Energien beim Hausbau, Modernisierung und stellte gerne Innovationstreiber im Portrait vor. Er ist als Journalist Mitglied im DPV Deutscher Presse Verband - Verband für Journalisten e.V. / Mitgliedsnummer: DE-537932-001 / Int. Press-Card: 613159-537932-002. Er ist unter redaktion@bauen-wohnen-aktuell.de in der Redaktion erreichbar.
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